Fitness ist ein Weg - kein Ziel

Ich befinde mich immer mal wieder in einer Gedankenspirale – wenn ich in Ort X leben würde, wenn ich Studiengang Y studieren würde oder wenn ich solch einen Traumkörper wie Z hätte, dann wäre ich sicher mit mir selbst zufrieden. Dann hätte ich ein Ziel erreicht. Mit dieser zielorientierten Denkweise stehe ich mir allerdings vielmehr selbst im Weg.

Motivation: Fitness ist ein Weg

Besonders bei Fitness ist dieses Zieldenken alles andere als hilfreich. Fitnesstraining in seinen Alltag zu integrieren kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Und dieses Vorhaben langfristig durchzuhalten ist für Viele eine Herausforderung.

Mit Fitnesstraining ein bestimmtes Ziel zu erreichen, ist oft der initiale Grund, mit dem Training zu beginnen. Aber ich glaube, dass diese Herangehensweise nicht besonders standhaft ist. Das beste Beispiel sind doch die zahlreichen Neujahrs-Vorhaben: „Dieses Jahr mache ich endlich mehr Sport“ oder „Dieses Jahr trainiere ich für ein Sixpack“. Jetzt ist schon wieder Herbst und wie viele deiner Neujahrs-Vorhaben hast du umgesetzt? Ich glaube, dass eine andere Denkweise notwendig ist:

Fitness ist ein Weg, kein Ziel!


Fitness für Ästhetik

Sicherlich ist einer der ersten Gründe, die mit Fitnesstraining assoziiert werden, einen ästhetischen Körper zu bekommen. Aus meiner Sicht ist das völlig nachvollziehbar. Wer träumt nicht vom Sixpack, definierten Armen oder einem knackigen Po?

Fitness ist in dieser Hinsicht definitiv ein sehr gutes Mittel (in Verbindung mit bewusster Ernährung), um seinen Körper zu formen. Allerdings kann es gefährlich sein, Fitnesstraining nur aus ästhetischen Gründen durchzuführen.

Auf der einen Seite werden unsere Ideale hier stark durch Bilder von Fitnessmodels geprägt. Diese Models verdienen (1.) Geld mit ihrem Aussehen und investieren entsprechend viel Zeit in Fitnesstraining. (2.) werden sie für Shootings so in Szene gesetzt, dass Licht und Schatten den Körper besonders definiert wirken lassen. Zudem werden die Bilder mit Photoshop etc. bearbeitet und optimiert.

Auf der anderen Seite sollte man seinen Körper nicht zu kritisch betrachten und die ganze Fitness-Sache krampfhaft werden lassen. Die Gefahr für Unzufriedenheit, Frustration oder gar Essstörungen wird dann immer größer. Denn Fitness kann eigentlich genau das Gegenteil – zur Gesundheit beitragen.


Fitness für Gesundheit

Bewegung und Fitnesstraining beanspruchen und stärken die Muskulatur. Starke Muskeln stabilisieren und schützen nicht nur die Gelenke, sondern können unsere Gesundheit positiv beeinflussen. Denn durch wenig Bewegung erhöht sich das Risiko, viszerales Fett zwischen den Organen anzusammeln. Dieses Fettgewebe begünstigt chronische Entzündungen, die mit vielen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar der Entstehung von Krebs assoziiert werden.

Durch Sport und die Beanspruchung der Muskulatur können Entzündungen reduziert werden – nicht zuletzt dadurch, dass überflüssiges Körperfett abgebaut werden kann. Eine wirksame Waffe gegen chronische Entzündungen und damit verbundene chronische Erkrankungen sind die Komponenten viel Muskelmasse und wenig Viszeralfett! Schlanke Menschen mit einem niedrigen BMI, aber wenig Muskelmasse sind genauso von chronischen Entzündungen gefährdet wie stark übergewichtige Menschen.

Fitness kann aber noch mehr: mithilfe von Bewegung und der Stärkung der Muskeln können wir unsere geistige Leistungsfähigkeit verbessern, stressresistenter werden und Demenz vorbeugen. Durch die Beanspruchung der Muskulatur werden Botenstoffe ausgeschüttet, die beispielsweise die Bildung von Nervenzellen im Gehirn unterstützt. Zudem werden vermehrt Neurotransmitter abgegeben. So können neue Verknüpfungen zwischen Nervenzellen ausgebaut werden und Informationen schneller übermittelt werden. Insgesamt wird dadurch die geistige Leistungsfähigkeit erhöht. Dieser Vorgang funktioniert übrigens in jedem Lebensalter! Ältere Menschen profitieren deshalb stark von Fitnesstraining, weil nicht nur der Muskelabbau, sondern auch der Hirnschwund aufgehalten werden kann!


Fitness gegen schlechte Laune

Die von der Muskulatur ausgeschütteten Botenstoffe helfen auch gegen schlechte Laune! Zum Beispiel wird das stimmungsaufhellende Serotonin ausgeschüttet. Es gibt wohl noch weitere Botenstoffe, die für Glücksgefühle sorgen. Allerdings ist das Gebiet noch nicht so gut erforscht. Klar ist aber, dass Sport für gute Laune sorgt und auch gegen Depressionen helfen kann!

Auch die Ablenkung durch sportliche Betätigung trägt dazu bei. Besonders Sportarten, die eine hohe Konzentration benötigen haben einen starken Effekt. Für mich ist Yoga am wirksamsten, wenn ich richtig Abschalten will. Die Konzentration auf den eigenen Körper ist dann so groß, dass meine Gedanken keinen Platz mehr finden. Danach fühle ich mich richtig erfrischt, frei und gut gelaunt!


Fitness als Lebensstil

Für mich ist Fitness ein Teil meines Lebensstils. Ich lebe aktiv und bewusst. Wann immer möglich fahre ich mit dem Fahrrad zur Uni oder zur Arbeit, ich nehme die Treppe anstatt mit dem Aufzug zu fahren und nutze verschiedene Sportarten als Ausgleich zur mentalen Arbeit. Ich treffe bewusste Entscheidungen bezüglich meiner Ernährung und übernehme Verantwortung für meinen Körper. Schließlich ist unser Körper immer unser Zuhause! Ich möchte mich in meinem Körper wohlfühlen, ausgeglichen sein und mich glücklich fühlen.

Darum glaube ich, Fitness als Weg zu betrachten, ist eine Lebensstil-Entscheidung. Fitness erleichtert unser Leben! Auch wenn es manchmal hart ist, den inneren Schweinehund für eine Runde Sport zu überreden. Durch Bewegung und Fitnesstraining halten wir unsere Muskeln, Organe und unser Gehirn fit! Wir können unsere Leistungsfähigkeit und unsere Stimmung positiv beeinflussen. Selbst Krankheiten können wir durch Bewegung und Fitnesstraining vorbeugen oder gar zur Linderung von Krankheitssymptomen beitragen!

Also, worauf wartest du? Finde eine oder mehrere Sportarten, die dir Spaß machen. Probiere Neues aus und entwickele dein ganz persönliches Fitnessprogramm. Entscheidend ist, dass es zu dir und in deinen Alltag passt, dass du Spaß daran hast und dich gut fühlst!

Fitness ist ein Weg, kein Ziel!