Warum sollte ich fair gehandelten Bio Kaffee kaufen?

Ich bin kein Kaffee-Junkie, aber ich freue mich jeden Tag auf ein bis zwei leckere Espressi. Natürlich ist das nur eine Gewohnheit. Dennoch halte ich gerne daran fest. Ich kaufe fair gehandelte Bio Espressobohnen von einem lokalen Kaffeeröster. Ich frage mich trotzdem, beruhige ich damit nur mein Gewissen oder lohnt es sich wirklich fair gehandelten Bio Kaffee zu kaufen?


Bild von Kaffeebohnen

Warum bio?

Was sind eigentlich die Vorteile von biologisch angebautem Kaffee? Hierzu ist es sinnvoll, kurz auf die Eigenschaften des ökologischen Landbaus einzugehen. Die wichtigsten Grundprinzipien sind der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und synthetischen Dünger, Verzicht auf Gentechnik sowie eine stark reduzierte Nutzung von Antibiotika in der Tierzucht und Zusatzstoffen in Lebensmitteln.

Je nach Verband bzw. Biosiegel gelten weitere, unterschiedlich strenge Richtlinien für die Landwirte und Lebensmittelhersteller. Wichtig ist vor allem. dass der Boden und das Grundwasser geschützt werden und der menschliche Einfluss auf die Natur möglichst gering ist.

Bio Kaffee enthält also keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel. Dieser Begriff ist auch unter dem Namen Pestizide bekannt. ‚Pestizide‘ ist wiederum ein Sammelbegriff für unterschiedliche Mittel zur Behandlung von Pflanzen und Bekämpfung von Schädlingen. Die Bekanntesten sind Herbizide, Fungizide und Insektizide.

Auswirkungen von Pestiziden in der Anbauregion

Pestizide werden vor allem auf stärker technisierten Kaffeeplantagen eingesetzt und haben einen negativen Einfluss auf die Regionen. Durch den Einsatz von Insektiziden werden beispielsweise nicht ausschließlich unerwünschte Insekten bekämpft. Auch Nützlinge kommen zu Schaden. Studien zur Biodiversität jener Anbaugebiete zeigen, dass die Artenvielfalt von Vögeln, Schmetterlingen oder Ameisen deutlich sinkt. Diese Rückgänge sind sowohl auf die Waldrodung als auch auf den Pestizideinsatz zurückzuführen. Zudem lagern sich Rückstände von Pestiziden, die zum Teil hochgiftig sind, im Boden und im Grundwasser ab. Darüber hinaus werden Pestizide häufig nicht sachgemäß verteilt, sodass Arbeiter durch fehlende Schutzmaßnahmen vergiftet werden. Im schlimmsten Fall führt das zum Tod, aber auch Krebs- und Nervenerkrankungen treten häufig auf.


Warum fair?

“Fairer Handel“ ist umstritten. Was aber genau ist die Kritik und was der Nutzen von fair gehandelten Produkten? Der größte Kritikpunkt des fairen Handels ist, dass es, anders als beim Biosiegel, keine gesetzlichen Standards für die Vergabe eines Fairtrade-Zertifikats gibt. So legt jede Organisation selbst fest, an welche Richtlinien sich Mitglieder halten sollen. Aber eben nur die Mitglieder. Daher lässt der Begriff „Fairer Handel“ Spielraum für Interpretation.

Aus diesem Grund haben die vier internationalen Fairtrade-Dachorganisationen 2001 eine gemeinsame Definition entwickelt:

„Fairer Handel ist eine Handels nerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt basiert und mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel erstrebt. Fairer Handel trägt zur nachhaltigen Entwicklung bei, indem bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzentinnen und Produzenten und Arbeiterinnen und Arbeiter – insbesondere in den Ländern des Südens – geboten werden. Fairtrade-Organisationen, von Verbrauchern unterstützt, beteiligen sich aktiv an der Unterstützung der Produzenten, der Bewusstseinsschärfung und engagieren sich für Veränderungen der Regeln und Praktiken des konventionellen internationalen Handels.“ [WFTO]

Was bedeutet das jetzt konkret? Typischerweise vereinbaren Händler oder Handelsorganisationen Mindestabnahmemengen mit den Produzenten sowie einen Mindestpreis für die Produkte. Dieser Preis soll eine sozial und ökologisch akzeptable Produktion ermöglichen. Wenn der Weltmarktpreis unterdessen sinkt, wird trotzdem der vereinbarte Preis gezahlt. Übersteigt der Marktpreis die Vereinbarung, wird der entsprechend höhere Marktpreis gezahlt.

Darüber hinaus können Fairtrade-Prämien gezahlt werden, die für Projekte zur Förderung der Region genutzt werden. Dazu zählen zum Beispiel der Bau von Trinkwasserbrunnen oder Schulen, die Subventionierung von Arztbesuchen oder die Förderung der Umstellung auf ökologischen Landbau.

Das wichtigste Ziel der Handelspartnerschaft ist es, Kleinbauern eine Chance zu geben, ihre Produkte am Weltmarkt existenzsichernd verkaufen zu können. Für Kleinbauern ist zudem die Unabhängigkeit von Spekulationen am Weltmarkt sehr wichtig, damit ihr Einkommen gesichert ist. Diese Unabhängigkeit wird durch den Mindestpreis erzielt.

An dieser Stelle schließt sich zudem mehr oder weniger der Kreis zum biologisch angebauten Kaffee. Denn Kleinbauern nutzen in der Regel weniger Chemikalien, die der Umwelt schaden können, da diese sehr teuer sind. Mit der Förderung von Kleinbauern kann folglich auch ein Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität geleistet werden.


Mein Fazit

Kritiker werfen den Fairtrade-Organisationen vor, Produzentinnen und Produzenten, Arbeiterinnen und Arbeiter würden nicht mehr Geld für ihre Produkte bzw. Arbeit erhalten als bei den großen Konkurrenten. Zudem sei das Prinzip des „Fairen Handels“ nicht langfristig erfolgreich.

Ich habe nun drei Tage zu dem Thema recherchiert und finde es schwierig diese Argumente zu widerlegen. Ich kann nicht beurteilen, ob die Arbeiter und Produzenten, die sich Fairtrade-Kooperativen anschließen auf lange Sicht tatsächlich ein besseres Leben führen können. Dennoch finde ich die Prinzipien und Standards, die die Fairtrade-Organisationen festgelegt haben sinnvoll.

Weitere Informationen zu den Standards erhälst du auf den Seiten der WTFO und der FLO sowie in der Grundsatz-Charta. Da diese Standards und auch die Richtlinien der einzelnen Fairtrade-Siegel zum Teil deutlich voneinander abweichen, werde ich hierzu in der nächsten Zeit einen weiteren Artikel schreiben.

Unterm Strich denke ich, dass es sich dennoch lohnt etwas mehr Geld für fair gehandelten Bio Kaffee auszugeben. Bio, damit die Natur und die Bevölkerung in der Anbauregion keine langfristigen Schäden durch hohen und unsachgemäßen Einsatz von Chemikalien nehmen. Und fair, damit Kleinbauern existieren können und der Kaffeeanbau auch rentabel ist, wenn aus einem Anbaugebiet keine große, technisch bewirtschaftete Plantage wird.